Eine Fernreise mit Baby

Länger habe ich hier nichts geschrieben und das hatte einen guten Grund, wir haben einen Monat Elternzeit in Südafrika verbracht.

Planst du gerade eine Reise mit deinem Baby?

Da das auch für reiseerprobte Menschen (wie meinen Partner und mich) mit einem 6 Monate alten Baby eine neue Herausforderung war, möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen.

Einen Monat lang Zeit. Bei unseren Jobs kam das bisher erst selten vor und deswegen war gleich klar, diese Zeit wollen wir zum Reisen nutzen. Die allgemeine Planung haben wir erst angefangen, als unser Sohn ca. 4 Monate alt war. Da kannten wir ihn gut genug um sagen zu können, dass wir uns eine Reise in die Ferne zutrauen! Doch was und wie viel ist realistisch? Nach einem Gespräch waren wir uns einig, dass eigentlich alles möglich ist! Die Frage war nur, was wir uns zumuten wollen.

Wir haben schon einige Reisen gemacht, auch in Länder die nicht so einfach zu bereisen sind. Als erste Reise mit einem Baby wollten wir es uns aber nicht zu schwer machen. Grundsätzlich wollten wir in die Wärme und ein neues Land kennen lernen, also eine Rundreise. (Strand- oder Cluburlaube sind nicht so unser Ding).

Folgende Kriterien hatten wir im Bezug auf das Baby an unser Ziel:

  • Gute medizinische Versorgung, falls doch mal etwas sein sollte
  • Nicht zu lange Distanzen zwischen den einzelnen Etappen
  • Gute Versorgung für den täglichen Babybedarf (Windeln, Nahrung – das wir Beides dann doch nicht brauchen, wussten wir in der Planungsphase noch nicht)
  • Nicht zu gefährlich im Allgemeinen
  • Keine Krankheiten wie z.B. Malaria
  • Keine speziellen Impfungen
  • Mietwagen als klassisches Touri-Verkehrsmittel (um dann anzuhalten wenn es nötig ist – wir haben so unsere Erfahrungen mit Bussen, die dann doch 5 anstatt den angekündigten 2 Stunden unterwegs sind)

Unsere Wahl: Südafrika! Und zwar der südliche Teil, denn weiter oben, wie z.B. im Krüger-Nationalpark, ist Malariagefahr.

 

Zum Flug

Wir hatten uns vorab ein Babybett im Flieger bestellt. Die Anzahl dafür ist begrenzt, deswegen am Besten möglichst bald machen. Genutzt haben wir das Bettchen nur teilweise. Zum einen, weil wir im Sitzen nicht hinein schauen konnten, so wollte der Kleine schnell wieder raus, weil er uns natürlich auch nicht sehen konnte und er hat darin auch immer nur kurz geschlafen hat, weil wohl zwischen den Schlafphasen die Rückversicherung nicht möglich war. Zum Anderen müssen Babys wenn das Anschnallzeichen aufleuchtet raus genommen werden. Da hab ich ihn dann lieber gleich auf meinem Schoß gelassen, damit er nicht unnötig aufgeweckt wird.

Babys können wohl Probleme beim Druckausgleich haben. Deswegen sollten sie bei Start und Landung gestillt werden oder etwas trinken. Wir hatten eine Zwischenlandung und somit insgesamt vier Starts und Landungen. Ich habe versucht zu stillen, geklappt hat das nicht jedes mal. Trotz leichter Erkältung hatte unser Kind keine Probleme.

Mit Hin- und Rückfahrt und Wartezeit am Flughafen waren wir pro Strecke über 24 Stunden unterwegs. Dem Kleinen konnten wir nicht anmerken, dass ihm das etwas ausgemacht hat.

Warme Sachen auf dem Flug nicht vergessen! Die kühlen teilweise sehr weit nach unten.

Das Gepäck

Es wurde dann doch viel mehr als wir dachten. Die Zeit in denen wir mit zwei 12kg Rucksäcken gereist sind, sind wohl gerade vorbei 🙂 Wir haben einen großen und einen kleinen Koffer, eine Reisetasche und im Handgepäck einen Rucksack und die Wickeltasche dabei gehabt. Außerdem einen Kindersitz und den Kinderwagen. Beides kann unabhängig vom Gesamtgewicht beim Flug mitgenommen werden.

Neben den üblichen Sachen, die auch zu Hause für ein Baby gebraucht werden, muss unbedingt ein Sonnenhut mit Nackenschutz und eine Sonnencreme mit hohem LSF mit ins Gepäck. Wir hatten außerdem noch einen kleinen Regenschirm als zusätzlichen Sonnenschutz mit dabei. Auch wenn es sehr warm war haben wir dem Kleinen oft lange, dünne Sachen als zusätzlichen Sonnenschutz angezogen.

Unsere Reiseapotheke haben wir um Fieberzäpfchen, Nasenspray für Babys für den Flug und ein paar Globuli erweitert.

Die Mobilität

Einen Leihwagen zu haben war die richtige Wahl. Einmal wegen dem ganzen Gepäck und um vollkommen unabhängig und flexibel zu sein was Zeiten, Strecke und Stopps betrifft. Als Kategorie war die untere Mittelklasse gerade so ausreichend.

Unser Sohn lag in den ersten 6 Monaten seines Lebens nur 2x im Kinderwagen. Ich nehme hier immer eine Trage oder ein Tuch. Während der Reise haben wir den Kinderwagen einige Male genutzt, denn bei teilweise über 35°C war es mir zu warm ihn länger so eng am Körper zu haben. Außerdem hat er beim Essen gehen gute Dienste geleistet, der Kleine konnte bei uns sitzen oder auch schlafen.

Die Trage hatten wir viel im Einsatz: Wenn die Wege mit Kinderwagen nicht möglich waren, die Temperaturen nicht zu heiß waren oder es nur für kurz war. Das Tuch hatten wir gar nicht dabei, denn damit hat man mehr Stoff am Körper, als mit der Trage.

Der Reisealltag

Dass ich noch voll Stille hat einiges erleichtert. Zwischendrin haben wir ihn mal Obst probieren lassen, weiter interessiert hat er sich für das Essen nicht – aber das ist ein anderes Thema…

Wir hatten vorab nichts gebucht, um vor Ort möglichst flexibel sein zu können. Bei Auswahl der Unterkünfte haben wir darauf geachtet, dass das Bett möglichst über 1,60 cm breit ist. Zu Hause schläft der Kleine neben mir im Bett bzw. im Anstellbettchen. Während der Reise hat er immer zwischen uns geschlafen. Viele Unterkünfte hätten auch separate Babybetten gehabt.

Längeres Autofahren hat unserem Sohn irgendwann nicht mehr gefallen. Ansonsten hat alles super funktioniert. Auch ein kompletter Tag im Auto als wir in einem Nationalpark unterwegs waren (da wir dort nur schrittgeschwindigkeit gefahren sind, konnte er viel auf dem Schoß sitzen). Ins Fenster haben wir als Sonnenschutz eine Mullwindel gehängt. Hier würde sich sicher auch so ein Sonnenschutzgitter empfehlen.

Zu Hause wickeln wir ausschließlich mit Stoffwindeln. Während der Reise haben wir Nachts Wegwerfwindeln verwendet und tagsüber fast immer Stoffwindeln. Die habe ich Abends mit Waschmittel eingeweicht (in Südafrika ist das warme Wasser so heiß, dass man sich verbrennt) und sie mit der Hand ausgespült.

Die Südafrikaner machen einem das Reisen mit Kind sehr einfach. Alle sind unheimlich kinderlieb. Es ist normal, dass auch fremde Kinder ohne zu fragen angefasst werden und du musst damit rechnen, dass jemand dein Kind auf den Arm nehmen will. Das hat den Vorteil, dass wir auch mal ganz in Ruhe essen konnten, als die Kellnerin unser Kind in der Zeit rum getragen hat :-).

Insgesamt sind wir in den vier Wochen doch 3800 km gefahren und haben pro Station 1 – 4 Nächte verbracht. Wir hatten eine super Zeit. Ich kann sowohl Südafrika als Reiseziel sehr empfehlen, als auch sich nicht vom Reisen abhalten zu lassen, „nur“ weil man Kinder hat.

 

Hier noch konkret auf Südafrika einzugehen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Weitere Informationen gebe ich dir sehr gerne, schreibe dazu einfach das was du wissen möchtest in die Kommentare.

 

Genieße deine Zeit!

Natalie

2 Comments

  • Daniel

    Reply Reply 7. März 2016

    Hallo Natalie,

    Deine Reisebeschreibung macht Lust auf Mehr! Viele Eltern schrecken davor zurück, mit kleinen Kindern in den Urlaub zu fahren. Deine Schilderung nimmt sämtliche Ängste und Sorgen. Der Beitrag liest sich sehr schön leicht.
    Ich freu mich auf Deinen nächsten Beitrag!

    Viele Grüße

    Daniel

    • Natalie

      Reply Reply 7. März 2016

      Lieber Daniel,
      vielen Dank!
      Ich habe so oft gehört „echt mutig, dass ihr das macht“. Klar braucht es ein wenig Mut um das zu machen, doch den haben die meisten, wenn sie es wirklich wollen.
      Wir benutzen unsere Kinder viel zu oft um Dinge nicht zu tun, die wir tun möchten. Und damit meine ich nicht, über sie hinwegzugehen und etwas zu tun, dass vielleicht nicht gut für sie ist. Sondern sie als vorgeschobenen Grund zu benutzen, obwohl eigentlich was anderes dahinter steht.

      Viele Grüße
      Natalie

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